Wer die Anzahl seiner wahren Freunde testen möchte und den wahren Charakter eines Menschen ergründen will, muss nur einen Umzug ankündigen. Manche Kumpels erscheinen schon um 9 Uhr morgens und schleppen direkt die schmiedeeiserne Miele Waschmaschine aus der 5. Altbauetage die Treppe herunter. Andere antworten nicht einmal auf den Hilferuf und entschuldigen sich frühestens nach 5 Tagen mit billigen Ausreden. Meist ist man überrascht welcher Freund tatsächlich ohne zu nörgeln einen Umzugskarton voller schwarzer Materie aufopferungsvoll in den Bulli hievt. Keine Überraschung sind dagegen die immer gleichen Plattitüden, die im Laufe eines Umzugswochenende fallen werden.
"Ich muss das nur noch schnell in eine Kiste packen."
1. Ach, wenn die großen Möbel erst einmal verstaut sind, dann geht es ganz schnell.
2. Wahnsinn, was in so einen Umzugswagen alles reinpasst.
3. Was haben wir für ein Glück mit dem Wetter.
4. Schon verrückt, dass mein ganzes Leben in einen Ford Transit passt.
5. Das schwerste ist immer die Waschmaschine.
6. Man, man, man. Die Couch ist doch schwerer als sie aussieht.
7. Pack die schweren Kisten nach unten!
8. Ist egal, du kannst die Kisten mit den Büchern auch noch oben drauf stellen.
9. Du brauchst jetzt nicht so beim Platz sparen, der Bulli ist gerade mal halbvoll und es kommt nur noch die Küche.
10. Oh, im Keller war auch noch mehr als ich dachte.
11. Jetzt wird es aber doch noch ganz schön eng auf der Ladefläche.
12. Das können wir auch noch wegschmeißen, wenn es nicht mehr passt.
13. Ausgerechnet JETZT muss es regnen.
14. Egal, schmeiß weg!
15. Wir können sonst morgen noch mal kommen wegen des Kleinscheiss. Das geht dann ganz schnell.
Wer die Anzahl seiner wahren Freunde testen möchte und den wahren Charakter eines Menschen ergründen will, muss nur einen Umzug ankündigen....
Heimat – was ist das?
Es ist ein faszinierender, weil diffuser Begriff, der schwer zu
fassen ist.
Er entzieht sich einer schematischen Definition.
Folgerichtig beginnt auch der Abschnitt „Definitionen“ im
„Heimat“-Artikel von Wikipedia mit dem Satz: „Eine einheitliche
Definition existiert nicht.“
Und doch benutzt den
Begriff fast jeder Deutsche wie selbstverständlich. Es scheint einen
generationen- und regionenübergreifenden Konsens über seine
Bedeutung zu geben. Heimat ist ein deutscher Begriff, wie
Schadenfreude, für den es kein Äquivalent im Englischen gibt. Es
gibt zwar das Wort „Home“, doch das bedeutet „Zuhause“. Aber
eben nicht Heimat, denn Heimat und Zuhause sind zwei unterschiedliche
Dinge. Doch dazu später.
Heimat ist also das
Sammelbecken einer amorphen Masse von Faktoren, die das Gefühl von
Heimat ausmachen. Zu diesen Faktoren zählen familiäre Wurzeln, die
Dorfgemeinschaft oder ein Stadtteil (in Köln besonders ausgeprägt
als „Veedel“), das dazugehörige Vereinswesen (Sportverein,
Schützenverein, freiwillige Feuerwehr), der Bäcker, der
Metzger/Fleischer, der Friseur und alle anderen klassischen
Gewerbetreibenden, sowie die Brauchtumspflege inklusive Lokalkolorit
und Dialekt und als kleinstes und gleichzeitig größtes Element: die
Kneipe.
Im Anschluss an die
Auflistung stellt sich die Frage, ob all diese Faktoren vorhanden
sein müssen, um eine Heimat darzustellen. Was sind notwendige, was
hinreichende Bedingungen? Oder anders formuliert: gibt es einen
relativen oder einen absoluten Heimatbegriff? Diese Frage ist
eigentlich unmöglich zu beantworten, schließlich gibt es gerade
keine allgemeingültige Definition und zu große regionale
Unterschiede. Allerdings dürfte sicherlich feststehen, dass die
Menschen im Zentum der Heimatbildung stehen. Ebenso Einigkeit
herrscht über die identitätsstiftende und sozialisierende Dimension
von Heimat.
Wie kommt der Mensch nun
zu seiner Heimat? Durch Zufall. Er wird in sie hineingeboren. Oder
eben nicht. Er hat nur eine Chance auf Heimat und diese wahrzunehmen
liegt nicht in seiner Macht. Das ist die brutale Dimension der
Heimat. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen und die Heimat vom
Zuhause. Wer das Glück hat in eine Heimat hineingeboren zu werden,
kann sie zwar verlieren. Doch wer nie eine Heimat hatte, wird auch
nie eine haben.
Anders das Zuhause. Ein
Zuhause kann man selbst kreieren. Hier dient der englische Spruch
„Home is where your heart is“ als Maxime. Zuhause beschränkt
sich jedoch meist auf den häuslichen, familiären Bereich, ohne die
Beziehung zum umgebenden Raum und sein kennzeichnendes Soziotop. Ein
Zuhause ist sozusagen der kleine Bruder der Heimat. Mathematisch
ausgedrückt, könnte man sagen, dass das Zuhause gen Heimat streben
kann, wie x gegen unendlich, sie aber nie erreicht. Allerdings ist
ein Zuhause nicht zwangsläufig Teil der Heimat, wie man bei vielen
Vertriebenen sehen kann. Diese sprechen auch nach Jahrzehnten
sehnsuchtsvoll von der „alten Heimat“, selbst wenn keine Chance
besteht jemals wieder dorthin zurückkehren zu können. Hier zeigt
sich auf drastische und gleichzeitig beeindruckende Art und Weise die
enorme, gerade auch identitätsstiftende Funktion, die Heimat
ausfüllen kann.
Um das Ganze einmal
beispielhaft darzustellen, folgt ein kurzer Aufriss meines Lebens.
Des Lebens eines Heimatlosen.
Der Vater aus dem
Sauerland, die Mutter aus Köln, geboren in Oberbayern, innerhalb des
ersten Lebensjahres in ein Dorf im Münsterland gezogen und dort
aufgewachsen. Die Eltern galten sehr lange als „Zugezogene“ und
hatten es schwer in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden. Ich
ging mit fünf Jahren in den Fußballverein und ein halbes Jahr
später in die örtliche Grundschule. Die Eltern der Schulfreunde
kannten sich alle untereinander, da sie schon gemeinsam dieselbe
Grundschule besucht hatten, zusammen Fußball gespielt und einen
Kegelklub gegründet hatten. Auch wenn ich keine Probleme hatte
Freunde zu finden, im Vergleich zu den anderen hatte ich schon als
Kind das Gefühl, dass irgendwas fehlte. Hinzu kam, dass wir im
Schnitt jedes zweite Wochenende ein Großelternpaar besuchte, denn
meine Eltern zog es in ihre Heimat. Sie wohnen mittlerweile seit 25
Jahren zur Miete im Dorf im Münsterland, obwohl mehrfach die
Möglichkeit bestand ein Haus zu bauen. Das Münsterland war eben
nicht Heimat. Es ist mein Zuhause, denn dort leben meine Eltern. Ich
würde es mit abgewandelten Worten von AnnenMayKantereit beschreiben:
„Ich hab keine Heimat, ich hab nur euch, ihr seid Zuhause fürimmer und mich.“ Das ist schön. Allerdings spüre in mir oft eine
große Sehnsucht nach Heimat, gerade wenn ich Freunde in ihrer Heimat
besuche. Es ist der alte Effekt, dass immer das die größte
Faszination ausübt, was man nicht haben kann. Daher stammen wohl
auch meine starke Identifikation mit meinem Studienort Münster im
Großen und die frequentierten Besuche meiner Stammkneipe im Kleinen.
Trotzdem steht fest: so wohl ich mich in Münster fühle, Heimat wird
es nie sein.
Doch wie wichtig ist
Heimat heutzutage überhaupt noch? Wie groß ist das generelle aber
auch individuelle Bedürfnis nach Heimat in einer Zeit der
Globalisierung, der Gentrifizierung, der Auslandsemester und der
Weltbürger? Das Fernweh packt die Meisten. Kaum ein Student, der
nicht einen Teil seines Studiums im Ausland verbringt. Jobangebote
werden deutschlandweit, europaweit oder sogar global gemacht.
Allerdings birgt diese Volatilität der Wohnorte - nach dem Studium
drei Jahre New York, gefolgt von zwei Jahren Singapur und vier Jahren
Kapstadt – die Gefahr, dass man zum Rastlosen, ewig Getriebenen
wird. Plötzlich ist man dann erst Mitte Dreißig und neben das
Karrierestreben tritt oft die langfristige Familien- und
Lebensplanung. Viele zieht es dann zurück in die Heimat. Wer diese
bis dahin gänzlich aufgegeben hat und jeglichen Kontakt abgebrochen hat, für den gibt es keine Möglichkeit den
Reset-Button zu drücken, denn es gibt keinen Ausgangspunkt mehr, auf
den man zurückgesetzt werden kann.
Vielleicht ist das nur
Übertreibung. Schließlich ist Heimat definitiv kein Allheilmittel
für jede Krise. Das sieht man daran, dass sie im allgemeinen
gesellschaftlichen Klima, das glaubt die Internationalisierung habe
ihren Zenit überschritten, als Patentlösung aller angeblichen
Probleme ins Feld geführt. Gegen die EU. Gegen die Flüchtlinge.
Gegen Mexiko. In der gesamten westlichen Welt, die nach dem Ende des
kalten Krieges immer stärker zusammengerückt ist, finden sich
nationalistische Bewegungen von nicht unbeträchtlichem Gewicht.
Trump in Amerika, die AfD in Deutschland, Ukip in England, Front
National in Frankreich, PiS in Polen. Ebenso sind rechtskonservative
Parteien in den skandinavischen Ländern, den Niederlanden, Belgien,
Ungarn und Griechenland in den Parlamenten angekommen. Die Rückkehr
ins Kleinod Nationalstaat ist en vogue. Meist sind die Beweggründe
dafür allerdings Dummheit, Angst und Radikalisierung. In diesem
Kontext wird der Heimatbegriff nationalistisch aufgeladen. Das ist
keine gesunde Entwicklung. Niemand kann ernsthaft davon ausgehen,
dass die drängenden Probleme dieser Zeit durch Abschottung und
Eigenbrötlerei gelöst werden können. Das wäre so, wie wenn man
ein Kind auffordert sich zu verstecken. Doch anstatt unters Bett zu
kriechen, hält es sich die Hände vor die Augen, weil es denkt, dass
es selbst unsichtbar wird, wenn es den anderen nicht sieht.
Nun aber zurück zur
Heimat. In Bezug auf ihre Wertschätzung gilt mal wieder der kluge
Spruch des alten Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.
Ob und wenn ja in welchem
Ausmaß Heimat noch eine Bedeutung hat, muss jeder für sich selbst
entscheiden. Doch sollten die Glücklichen, denen qua Geburt eine
Heimat beschieden ist, diese nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.
Was man mit Anfang Zwanzig als provinziell und entwicklungshemmend
disqualifziert, kann sich im Nachhinein als Sehnsuchtsort entpuppen.
Wer dann alle Brücken hinter sich abgebrochen hat, der merkt: eine
zweite Chance auf Heimat gibt es nicht.
LW
Heimat – was ist das? Es ist ein faszinierender, weil diffuser Begriff, der schwer zu fassen ist. Er entzieht sich einer schematische...
Die Mensa ist von Alters her der Ort, der unselbstständige, sich im ersten Semester befindende Studierende beider Geschlechter, die sich selbst beim Versuch ein Spiegelei zu braten die Ohren brechen würden, vor dem Verhungern bewahrt. Bisher hatte Mama gekocht. Das war zwar nicht immer lecker, aber selbstverständlich und praktisch.
Umso größer fällt der Kulturschock beim ersten Besuch in der Mensa aus. Die Mensa ist eine Massenabfertigung mit Essen, das nichts kosten darf. Plötzlich sehnt man sich in die Heimeligkeit der elterlichen Küche zurück, wenn man zum ersten Mal mit gräulichem Gyros und verkochten Nudeln in Kontakt kommt. In Ermangelung anderer Alternativen, denn auf Dauer ist der mehrmalige Besuch von Dönerbuden pro Woche nicht finanzierbar, treibt es die meisten Studenten mittelfristig in den Schoß der subventionierten Versorgungsstation zurück.
Der Klassiker.
Da die Autoren als alte Hasen am Ende ihrer universitären Laufbahn stehen, blicken sie auf die gesammelten Schätze der Mensa-Erfahrungen zurück. Nehmt diesen Text entweder als Guide für euer weiteres Studium mit oder begleitet uns aus nostalgischen Gründen auf diese Reise.
Der Besuch in der Mensa hat zwei Dimensionen: die kulinarische und die menschliche.
Werfen wir zunächst einen fokussierenden Blick auf die Kulinarik dieses Kantinen-Tempels. Zuvörderst ist festzuhalten, dass man in der Mensa gefahrlos essen kann, grundsätzlich satt wird und das sogar ganz lecker. Allerdings liegt es in der Natur der Sache, dass man bei einem Essen, dass weniger als vier Euro kostet keine große Kochkunst erwarten kann. Einige Klippen gilt es zu umschiffen, um die Mensa fröhlicher zu verlassen als man sie betreten hat.
Erstens: iss auf keinen Fall ein Fleisch- oder Fischgericht, das überbacken ist. Im schlimmsten Fall „mediterran“. Man kann nämlich nicht erkennen was sich unter der Tomatenscheibe, die in eine dicke Schicht Analog-Käse einvakuumiert wurde, verbirgt. Oft ist das nichts Gutes in Form von sehnigem, fast ausschließlich aus Fettrand bestehendem Fleisch oder kalten Fischbrocken.
Zweitens: iss nichts was in streng geometrischer Form dargereicht wird. Das hat der liebe Gott in der Natur so nicht vorgesehen. Weder bei kreisrunden Bamischeiben, noch bei dreieckigen Brokkoli-Nuggets. Um die wildwüchsige, vielgestaltige Form eines natürlich gewachsenen Brokkolis in gleichschenklige Dreiecke zu pressen, bedarf es mehr künstlicher Eingriffe als das Gesicht von Harald Glööckler erdulden musste. Ebenso verhält es sich mit rechteckigen Fischfilets. Die Zeit quaderförmiger Fische ist seit dem Ordovizium abgelaufen. Der Quastenflosser kann davon ein trauriges Lied singen.
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig
bin.
Ein
Märchen aus uralten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Drittens: iss keine Gerichte fremdeländischer Küchen. Den Ruf der weiten Welt vernehmen zwar viele. Ihm folgen können aber die wenigsten. Ein kurzer Flirt mit der Weltküche erscheint verlockend, um dem tristen deutschen Alltag zu entkommen. Bevor Du dich jedoch auf dieses Abenteuer einlässt, bedenke Folgendes: von wem wurde die asiatische (sic!) Nudelpfanne gekocht? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von einem Angehörigen des Kulturkreises, aus dem die Speise stammt. Und selbst wenn, dann stehen diesem armen Koch nicht die authentischen Lebensmittel seiner fernen Heimat zur Verfügung. Es gilt eine Speise auszuwählen, die ihre Wurzeln im lokalen Kulturkreis hat. Die meisten Eintöpfe sehen zwar gewöhnungsbedürftig aus, sind aber durchaus schmackhaft. Auch wenn man in Bezug Zutaten ein gehörigen Vertrauensvorschuss leisten muss.
"Bon apétit!", wie der Japaner sagt.
Mit der kulinarischen Dimension im Rückspiegel betrachten wir nun einen Bereich, der nicht den Einflussmöglichkeiten des Studentenwerks unterliegt, nämlich die essenden Studenten. Eigentlich müsste man davon ausgehen können, dass die angehende akademische Elite dieses Landes den Herausforderungen der Nahrungsaufnahme gewachsen ist. Doch weit gefehlt! Wer es geschafft hat ein Essen auszuwählen, dass zu schmecken sich anschickt, der sollte sehr vorsichtig sein, wenn er seinen Blick vom eigenen Teller erhebt. Es könnte nämlich sein, dass die Tischmanieren der Mitesser (pun intended) wirkungsvoller als jeder Apetitzügler wirken. Daher empfiehlt es sich den Blickhorizont nur und auschließlich dann über den Rand des eigenen Tablets hinaus zu erweitern, wenn man den anderen am Tisch den Umgang mit Messer und Gabel wirklich zutraut.
Es klingt banal, doch so mancher, der im Gespräch eloquent und in den Studienleistung exzellent erscheint, scheitert am sachgemäßen Gebrauch der Esswerkzeuge. Es geht hier nicht um die penible Einhaltung des Knigges beim Gala-Diner, sondern um die einfachsten Grundregeln.
Wer keine Suppe ist, also Messer und Gabel benutzt, sollte beides während des gesamten Essens in der jeweiligen Hand behalten. Das Vorschneiden des Schnitzels in kleine Stücke, gefolgt von dem Beiseitelegen des Messers und dem Wechsel der Gabel von der linken in die rechte Hand, der den Startschuss zum Schaufeln freigibt, sollte maximal Fünfjährigen vorbehalten sein.
Das Ablegen des nun seiner Funktionen beraubten linken Armes mit dem Ellbogen auf dem Tisch oder auf dem eigenen Oberschenkel ist in der Folge zwar konsequent, aber gleichsam unangebracht. Hierzu ein kleiner Rückblick auf die Erziehung der Autoren in ihren Elternhäusern. Den beiden Heranwachsenden wurde im Falle des Abstützens des Armes auf dem Oberschenkel unterhalb des Tischplattenniveaus süffisant mit den Sprüchen „Bist du Amerikaner?“ (weil die Cowboys beim Essen im Saloon den Revolver unterm Tisch gezückt hielten) oder „Suchst du Gold?“ begegnet.
Das prägt. Bis heute.
Originalaufnahme, Ottmarsbocholt ca. 1996
Bei manchem erweckt die Haltung des Bestecks in faustgleich geformten Händen den Eindruck die Nahrungsaufnahme stelle für ihn einen herkuläischen Kraftakt dar. Gerade junge Männer, die im Fitnessstudio schwere Langhanteln drücken, neigen dazu an 100 Gramm Edelstahl und einer halben Kartoffel zu scheitern. Zudem gilt: ein Messer ist ein Messer und bleibt auch ein Messer. Es wird nicht zum Löffel, niemals. Auch nicht für Saucenreste.
Eine weitere Grundregel lautet: Die Gabel geht zum Mund, nicht umgekehrt. Was für Außenstehende im ersten Moment den Eindruck von schwerer Studienlast gramgebeugter Studenten macht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Unsicherheit die beladene Gabel mehr als zehn Zentimeter unfallfrei zu befördern, sodass das Gesicht halb im Teller hängt.
Auf das Herumfuchteln mit Besteck zur Untermauerung des eigenen Arguments beim Tischgespräch und der gleichzeitigen Blickfreigabe auf den zerkauten Inhalt des Mundes muss nicht näher eingegangen werden.
In keinster Weise soll dieser Text den Eindruck erwecken, dass sich die Autoren selbst tadellose Manieren zuschreiben. Privat leben sie einige der oben beschriebenen Angewohnheiten gelegentlich auch aus. Die Mensa ist allerdings ein öffentlicher Ort. Wer sich seines Auftretens dort nicht bewusst ist, für den könnte es bei einem Geschäftsessen anlässlich eines Vorstellungsgesprächs oder eines Kundentermins unangenehm werden. Just sayin'.
Nein.
Abschließend ist festzuhalten, dass sowohl bei der Wahl des Essens als auch der Begleitung Vorsicht geboten ist. Wer diese walten lässt, der erlebt in der Mensa so manche entpannende Mittagspause.
Geht doch.
LW
Die Mensa ist von Alters her der Ort, der unselbstständige, sich im ersten Semester befindende Studierende beider Geschlechter, die sich s...
Ständig streben wir danach uns zu verbessern. Noch vor den großen Finanzkrisen der letzten Jahre war das Mantra dementsprechend: höher, schneller, reicher. Einfach mehr haben, mehr können, mehr besitzen. Inzwischen haben die Sharing-Economy und die Ernährungs- und Bewegungsselbstoptimierer-Trends diese archaischen Maxime abgelöst und durch "sportlicher, gesünder, bescheidener" ersetzt. Einfach mehr bewegen, besser essen, weniger besitzen. Der Komparativ bleibt.
Für die neuen Lebensweisen gibt es zahlreiche Vorbilder. Nico Richter zeigt uns wie wir uns mit seiner Paleo-Diät so gesund ernähren wie die Steinzeitmenschen - allerdings ohne ein brauchbares Kochrezept für Wollhaarmammuts zu liefern. Attila Hildmann empfiehlt seinen Anhängern eine vegane, Mammut-freie Ernährung und schwört auf „vegan for fit“ und alle machen mit. Beide haben gemeinsam, dass sie aussehen wie ein Tchibo-Unterwäschemodel: jung, erfolgreich, sportlich und nicht so schön wie Marcus Schenkenberg. Männer mit realistischen Erwartungen wollen so sein wie sie. Frauen mit unrealistischen Erwartungen möchten Nico und Attila am liebsten ihren Müttern als neuen Schwiegersohn vorstellen.
So wirbt Attila Hildmann für sein Kochbuch
Jedes Vorbild ist etwas, macht etwas oder kann etwas was wir nicht sind, machen oder können. Deswegen sind sie Vorbilder, Personen nach denen man streben kann und die man im besten Fall nie erreicht, sondern übertrifft. Trotzdem suchen wir uns häufig Vorbilder die so weit von unserer Lebensrealität entfernt sind, dass wir gar nicht erst so richtig versuchen so zu sein wie sie, sondern eher davon träumen wie es wohl wäre. Wie wäre es wohl zum Beispiel so cool und reduziert zu sein Jonathan Ive, der nicht einmal Haare, Mimik oder eine zweite Lage Kleidung braucht um Souveränität und Erfolg auszustrahlen? Wie wäre es wohl eine so erfolgreiche Geschäftsfrau und Sängerin zu sein wie Beyoncé, die seltener als andere erfolgreiche Frauen auf ihr Aussehen oder ihren (ebenfalls erfolgreichen) Partner reduziert wird.
Aber Moment, wo ist dieser Text den jetzt positiv und inspirierend? Gerade die Vorbilder sind es doch, die in uns häufig unrealistische Erwartungen an uns selbst und das Leben wecken. Vorbilder können einen ziemlich deprimieren und einschüchtern. Sie können uns zu ungesunden Extremen verführen. Kleine Mädchen hungern angeblich um so schlank zu sein wie ihre Instagram-Klickmillionär-Idole. Kleine Jungs seien, so heisst es, sexuell total verroht und von Selbstzweifeln geplagt, weil sie sich den ganzen Tag Hochglanz-Sportfick-Pornos im Internet angucken. Unsere Vorbilder werden in der Werbung instrumentalisiert um uns Dinge zu verkaufen die wir nicht brauchen, wie z.B. Rasierer mit 6 Klingen. Dabei weiss doch jeder, dass ein sauber geshaveter Drei-Tage-Bart das einzige ist, „was die Miezen ans Gerät bringt“. Vorbilder stehen mit erhobenen, wedelnden Zeigefingern vor der Webcam oder in der Fußgängerzone und predigen von Hass und heiligem Krieg.
Traurig aber wahr: auch dieser Vogel hier ist für manche ein Vorbild
Vorbilder verändern sich und manchmal wird aus dem einstigen Idol das absolute Gegenteil. In unserer Abi-Zeitung habe ich auf meiner Seite Hulk Hogan, Sebastian Ingrosso und Wendelin Wiedeking als Vorbilder angegeben. Muskeln, musikalisches Talent, Geld und Erfolg. Es dauerte keine Ewigkeit um zu realisieren, dass alle drei dieser Figuren ganz fürchterliche Vorbilder sind, wenn man sie sich im Gesamtbild anschaut. Es kann auch passieren, dass Personen die Vorbildsfunktion von heute auf morgen abgesprochen wird - was dann? Beispiel Max Kruse: erst verliert er ein Haufen Bargeld im Taxi, dann wird er auf seiner Geburtstagsfeier von BILD-Reporterinnen belästigt und muss im Anschluss miterleben, wie ein Video von seinem besten Stück in den sozialen Medien rumgereicht wird wie die Karaffe mit dem Messwein in der Osterandacht. Damit sich kleine Jungs kein Vorbild mehr an seinem Unglück nehmen können, hat Jogi Löw ihn aus der Nationalmannschaft geworfen und der VfL Wolfsburg drakonische Geldstrafen auferlegt. Das ehemalige Idol wird zu einem Mahnmal gegen eine unbekümmerte Lebensweise stilisiert.
Früher waren Vorbilder nicht immer die Stars, die Schönen und die Reichen. Früher wollte man noch so sein wie Mama oder Papa. Man wollte Feuerwehrmann, Polizist oder Tierärztin werden. Einmal im orangen Anzug hinten auf dem Trittbrett vom Müllabfuhrwagen mitfahren. Die Vorbilder waren realistischer und entsprechend hat man ihnen Fehler auch eher verziehen. Selbst unter den Prominenten hat man sich nicht die Superlative rausgesucht. Ich hätte mir als Kind nie ein Panini-Bild von Christiano Ronaldo in den Schrank geklebt - da hingen Lars Ricken und Oliver Bierhoff. Beide waren aus meiner Sicht nie ‘Larger than Life’ und auch ohne die Möglichkeit ihnen bei Twitter zu folgen oder mir ihr Luxusleben bei Instagram anzuschauen, fühlte ich mich ihnen näher, als ich es mich zu einem Weltstar wie Ronaldo oder Messi hätte tun können. Die Transparenz des vermeintlichen Privatleben der heutigen Stars und Idole durch ihre gemanagten Social Media Auftritte schafft eher Distanz als Nähe.
Mal ehrlich: mit wem von den beiden hätten Sie sich als Kind eher vorstellen können einen Freundschaftsbecher zu teilen
Trotzdem verzerrt sich durch die Adoleszenz der Anspruch an unsere Vorbilder. Je näher man seinen alten Idolen rückt, je greifbarer die Stange des Müllabfuhrwagens wird, desto unrealistischer wird unser neues Vorbild. Die Generation Y, will nicht mehr Feuerwehrmann, Polizist oder Tierarzt werden. Sie suchen nach der Multi-billion-dollar-start-up-Idee um sich bei den erfolgreichen Gründern wie Marc Zuckerberg oder Jack Dorsey einzureihen. Dabei müsste doch das Erwachsenwerden unsere Augen öffnen und sollte uns deutlich machen, wie unvorteilhaft es ist im Leben ständig zu glänzen. Die bunte Echse fällt im Urwald als erstes auf und wird von der Schlange gefressen. Der frühe Vogel fängt zwar den Wurm, aber warum können wir nicht einfach der späte Wurm sein? Mo’ money, mo’ problems. Daraus müsste doch konsequenterweise folgen: no money, no problems. Ist es nicht so, dass Superman die ganze Zeit die Welt rettet muss, dabei seine Identität verstecken muss und nichts als Undank erntet. Währenddessen hat Homer Simpson drei Kinder, eine sorgende Frau und kommt immer gut durchs Leben, obwohl er nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte ist und chronische Geldsorgen hat.
Dazu eine Fallstudie: Ich habe mindestens 2-3 Freunde, die sich absolut um nichts Gedanken machen. Sie haben noch nie eine Steuererklärung abgegeben, noch nie eine Gehaltsverhandlung geführt. Man kann sagen sie kommen über die Runden Sie machen sich keine Gedanken darüber, wie sie ihre Situation verbessern könnten. Sie machen sich aber auch keine Gedanken darüber was ihre Situation verschlechtern könnte. So lange sie eine Wohnung, Freunde und ein regelmäßiges Einkommen haben sind sie glücklich. Ich höre diese Freunde nie von Vorbildern oder Idolen sprechen. Sie bewundern vielleicht einen Sänger, für seine Kunst, aber sie wollen nicht so sein wie er. Wenn ich hier über die Leiden der Generation Y schreibe, fühlen sie sich nicht angesprochen. Das Leben gibt ihnen was sie brauchen. Böse Leute würden solche Leute vielleicht auch schon mal als Loser bezeichnen. Oder undurchsichtig, weil sie nicht verstehen wie sie mit ihrer Sorglosigkeit unbescholten durchs Leben kommen. Aber genau das sorglose ist was ihnen das Leben erleichtert. Schufa-Eintrag? Ist ihnen egal. Und das beste ist: es ist sogar egal. Wer sich nicht um seine Zukunft kümmert, muss sich zumindest in Deutschland keine Sorgen machen. Das soziale Netz fängt jeden auf und ein Leben auf Basis der staatlichen Grundversorgung ist kein Leben am Existenzminimum. Wer sich um nichts kümmert, kann trotzdem Abends in seine Wohnung kommen, ein Bier aufmachen, den Fernseher anschalten und auf seine Weise glücklich sein.
TF
Wir schreiben hier viele kritische Texte, die sich mit dem Zeitgeist , der Gesellschaft und der deutschen Seele beschäftigen. Wir sagen ...
Wir leben in einer Zeit des Wandels. Das ist zwar eine Plattitüde, stimmt aber trotzdem. Der technische Fortschritt schreitet unaufhaltsam voran und auch in der Gesellschaft gab es Paradigmenwechsel, die zuvor undenkbar schienen, auch wenn die Dinge in diesem Bereich ein wenig langsamer ins Rollen kommen. Die weitläufig akzeptierten Möglichkeiten sein Leben zu gestalten werden immer mehr. Beruflich dringen Frauen, wenn ihnen auch immer noch Steine in den Weg gelegt werden, in Männerdomänen ein und auch privat ist niemand mehr gezwungen sich 50 Jahren quälender Ehe zu ergeben, so er dies nicht wünscht.
Es gibt jedoch eine heilige Kuh, die nicht geschlachtet wird: die Erwartungshaltung an die Mitglieder der werktätigen Bevölkerung. Diese bleibt auf höchstem Niveau. Wer trotz körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit weniger als 40 Stunden (das absolute Minimum) arbeitet, dem wird mit Unverständnis und Ablehnung begegnet. Das schwäbische „Schaffe, schaffe, Häusle baue!“ wabert als gebetsmühlenartiges Mantra durch unsere Köpfe. Dabei sind Eigenheime Dinge von Gestern.
Außerdem gilt: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Aber nicht irgendeine Arbeit und vor allem kein beliebiges Arbeitspensum. Erst wer nach mindestens acht Stunden Maloche an der Stechuhr abstempelt, hat sich nach allgemeiner Ansicht das Feierabendbier verdient. Es ist nicht nur Legende, dass der Jung-Accountant, der um 21 Uhr nach Hause gehen möchte mit einem vorwurfsvollen „Wo willst du denn schon hin?“ zum sogenannten All-Nighter genötigt wird. Die Work-Life-Balance wird zwar großspurig propagiert und die dahingehenden Angebote in den Hochglanzbroschüren über die „Firmenphilosophie“ angepriesen, aber wer auf die Idee kommt ein solches Angebot anzunehmen, dem wird der Vorgesetzte mit hochgezogenen Augenbrauen begegnen. Kommen Sie nicht auf die Idee als junge Frau unter 30 schwanger zu werden, wenn sie Karriere machen wollen. Wenn doch, dann machen Sie sich darauf gefasst in ihrem Arbeitsumfeld markige Sprüche zu hören, die die Grenzen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes nicht selten überschreiten. Und der Job wird bei nächster Gelegenheit ebenfalls weg sein. Männer, die beispielsweise ihren gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit wahrnehmen, gelten als Waschlappen, die bezahlten Sonderurlaub haben möchten. Auch Arbeitnehmer, die ihre Arbeitszeit verkürzen wollen, müssen gute Argumente vorbringen, damit ihnen Akzeptanz entgegengebracht wird.
Was ein Schwachsinn!
Ein Bild. Drei Worte. Mehr nicht.
Doch warum reagieren die ach so toughen Business-Menschen so feindselig und herablassend auf die, die nicht bedingungslos das Götzenbild der Arbeit anbeten? Eine Antwort ist der Neid, vor allem auf ein glückliches Privatleben. Wen wundert das? Die Chance einen Partner kennenzulernen beschränkt sich mittlerweile allein auf „das Internet“. Von Elitepartner über Tinder bis hin zu Knuddels ist für jede Einkommensklasse ein Angebot dabei. Diese Beschränkung wird doch nicht daran liegen, dass junge Männer und Frauen ausgerechnet im Zeitalter der sozialen Medien jegliche Sozialkompetenz verlernt haben, sind ja trotz Studiums im Hamsterrad gerade die voll entfalteten Soft Skills unabdingbare Einstellungsvoraussetzung in der Industrie. Könnte etwa die totale Fokussierung auf das berufliche Fortkommen und der daraus folgende Mangel an Freizeit eine Ursache sein oder wäre diese Annahme lediglich sozialwissenschaftliche Kaffeesatzleserei? Wer es trotzdem schafft einen Partner zu finden und mit diesem obendrein glücklich zu sein, gilt als verdächtig.
Ein weiterer Grund dürfte die Frustration über die Ergebnisse des eigenen Karriereplans sein. Wer landet letztlich tatsächlich in seinem Traumjob? Entgegen des durch Marketingabteilungen kreierten Bildes dürfte die Quote der absolut Zufriedenen recht gering sein. Wer ganz oben mitspielen will, muss bis er dort angekommen ist vor allem verzichten und ertragen. Und wer einer der wenigen Auserwählten ist, die es tatsächlich dorthin schaffen, der lässt den ganzen aufgestauten Frust der frühen Arbeitsjahre an den nachrückenden Schwächeren ab. Der Kreis schließt sich. Unzufriedenheit allenthalben.
Eine gehörige Portion Unsicherheit spielt mit Sicherheit auch eine Rolle. Wer mit Scheuklappen die vorgezeichnete Karriereleiter hochzuklettern versucht, der verliert den Weitblick für das außerhalb dessen möglich ist. Die Leute haben weder die Zeit noch den Mut diese Möglichkeiten auch nur in Erwägung zu ziehen.
Karriereleitern sind wie Penisse: Oft kürzer als man denkt.
Hierzu eine kleine Anekdote aus dem Leben eines der Autoren. Dieser war auf einer Party eingeladen und begegnete einem aufstrebenden Jungjuristen. Dieser fragte, was der Autor im Moment mache. Daraufhin antwortete dieser er sei aktuell Privatier. Wie Privatier, fragte der Jungjurist, was mache der Autor denn den ganzen Tag. Er schlafe lange, dann Frühstück, Serien gucken, Freunde treffen, feiern, entgegnete der Autor. Aber er müsse doch Pläne haben, hakte der Jungjurist nach. Der Autor sagte, dass er sich bei der Orientierung Zeit lasse. Ihm gefiele sein jetziges Leben. Er wolle ihn doch auf den Arm nehmen, verzweifelte der Jungjurist und fragte was der Autor denn tatsächlich mache. Der Autor beharrte darauf er sei Privatier und das Gespräch war beendet. Watzlawick hätte seine helle Freude an dieser Kommunikation gehabt.
Der Wert von Arbeit soll in diesem Text nicht geringgeschätzt werden, schließlich dient Arbeit unzweifelhaft der Sinngebung des eigenen Lebens. Arbeit ist wichtig für das eigene Selbstwertgefühl und sorgt nicht zu guter Letzt für die Sicherung der eigenen wirtschaftlichen Grundlage.
Doch was treibt so viele in Jobs, die das ganze Leben diktieren? Leben um zu arbeiten, statt arbeiten um zu leben. Wenn man die Betroffenen fragt erhält man selten eine Antwort. Vielmehr erscheint es so, dass über diese Frage noch nicht nachgedacht wurde. Es scheint vielmehr so als handelten die Meisten aus Pflichtbewusstsein. Ein herrlich archaisch anmutendes deutsches Wort. Da schwingt preußische Tradition mit.
Doch steckt überhaupt etwas hinter diesem Begriff? Zunächst müsste eine Pflicht bestehen. Nur wer verpflichtet? Der Staat tut es nicht, schließlich kann man auch von Hartz IV leben und die Zeit der gesellschaftsvertraglichen Modelle ist in der pluralistischen Moderne definitiv vorbei. Eine faktische Pflicht besteht also nicht. Vielmehr scheint es eine selbst angenommene Phantompflicht zu sein, der wir uns mehrheitlich unterwerfen. Das darf man gerne tun. Nur muss man sich bewusst sein dies freiwillig zu tun. Das sollte man sich stets vergegenwärtigen, so sehr man sich von seinem Umfeld unter Druck gesetzt fühlt. Daher sollte man die, die sich für einen anderen Lebensweg entscheiden, nicht aus einer selbst zugeschriebenen Position der moralischen Überlegenheit herblassend verurteilen. Das ist ungerechtfertigt und peinlich.
Niemandem soll durch diesen Text davon abgehalten werden beruflich nach dem Höchsten zu streben und keinem soll seine berufliche Stellung schlechtgeredet werden. Es ist mehr als legitim die Erfüllung wirtschaftlicher Ansprüche zum Lebensziel zu machen. Allein soll dieser Text die Anregung geben zu hinterfragen, ob das was gegenwärtig im Bereich der Arbeit gesellschaftliche Konvention zu sein scheint das einzig glücklich machende Konzept für die eigene Zukunft ist. Das Schöne ist: es gibt eine Wahl. LW
So einfach ist das.
Wir leben in einer Zeit des Wandels. Das ist zwar eine Plattitüde, stimmt aber trotzdem. Der technische Fortschritt schreitet unaufhaltsam...
Was ist Ihr Lieblingsessen? Italienisch? Griechisch oder doch gut bürgerlich? Ein nicht kleiner Teil der deutschen Bevölkerung
würde diese Frage wahrscheinlich mit „All-you-can-eat“ beantworten, als
sei das maßlose Vollstopfen an einem Buffet eine Art von Küchenspezialität.
In Zeiten in denen man beinahe täglich mit
Lebensmittelskandalen konfrontiert wird und einem Allergiker, Veganer und
besorgte Ökotrophologen die Mahlzeiten verderben, wirken Familien die
sich Sonntags zu Flatrate-Preisen überfressen beinahe rebellisch und
reaktionär. Sind sie aber nicht, sondern eher das Spiegelbild einer sich immer
unreflektierter und schamloser verhaltenden deutschen Gesellschaft.
Die Buffet-Mentalität, die Alt und Jung vor
dampfenden Essensbehältern vereint, ist die Akne auf der deutschen Seele. Sie
offenbart so viele der schlechten Eigenschaften, die unser Land in den letzten
Jahren immer näher an das kulturelle Negativ des amerikanischen Vorbildes
gebracht haben. Ein erstes Indiz ist bereits der Anglizismus der für diese
Essen-gewordene Form der Maßlosigkeit verwendet wird. Oder haben Sie schon mal
ein „Alles was du fressen kannst“-Buffet gesehen?
Es ist Sonntag. Geiz, Gier und ein extrem niedriger
Qualitätsanspruch haben die ganze Familie mit ihren Tellern ans Buffet gebracht.
Ein Frühstück gab es aus taktischen Gründen nicht. Getrunken wird nur auf der Toilette aus mitgebrachten Trinkpäckchen. Wie die großen Feldherren auf ihrem Russland-Feldzug ackert sich die Sippe von
links nach rechts durch die Vorspeisen in die Hauptgänge. Ohne Rücksicht auf
Verluste wird eine Speise nach der anderen in die schon vollen Bäuche gestopft.
Es muss sich lohnen. Sättigungsbeilagen sind die Panzerblockaden des Buffets und werden geschickt umfahren. „Wir
sind nicht so weit gekommen um jetzt aufzugeben“, brüllt der Vater sein sich schon
erbrechendes Kind an. Erste Verluste werden sichtbar. Gegen halb zwei sieht das
Mittags-Buffet aus wie ein Schützengraben in Verdun. Krieg ist nicht schön und
Buffet ist Krieg. Geiz, Gier und der extrem niedrige Qualitätsanspruch hat sie bis hier hin gebracht.. 7,99€ für Erwachsene. 4,99€ für Kinder unter 14 Jahren. Sie
sind hier wegen der wertvollen Rohstoffe: Rindfleisch, Garnelen und
Hackbällchen. Das Kilo kostet im Supermarkt 7,99€. Also muss, wer gewinnen will, mindestens ein Kilo essen. Danach kommt der Return on Investment. Amortisation ist oberste Buffet-Raison. Doch
bei der Belagerung des Desserttisches schwinden die letzten Kräfte. Die
Familie gibt auf. Es gibt nur einen Sieger - den Anbieter des Buffets. Unter Magenkrämpfen und Übelkeit fühlen sich trotzdem beide Seiten wie Gewinner.
Diese Buffet-Mentalität lässt sich aber nicht nur
beim Sonntagsbrunch im Landgasthof oder beim mongolischen Grill-Buffet
beobachten... Moment. Halt. Stopp.
Mongolisches Grillbuffet? Liegt die Mongolei nicht irgendwo zwischen
Russland und China, ist zu großen Teilen von der sechstgrößten Wüste der Welt
bedeckt und wird von Nomaden bewohnt? Wie passt das mit
Grillbuffets und Zutaten wie Krokodil-, Straußen- oder Rinderfleisch in
süß-saurer Soße zusammen? Bekommt man in so einer mongolischen Jurte nicht eher
Airag, Öröm, Aaruul und Boortsog vorgesetzt? Das meiste davon wird aus vergorener Stutenmilch gemacht. Wer würde so etwas freiwillig in
rauen Mengen essen? Und wie passt All-you-can-eat, der Inbegriff von Überfluss, mit der sonst kärglichen Mongolei zusammen?
Egal, zurück zum Thema: die Buffet-Mentalität setzt
sich auch jenseits der Restaurants an den Ausfallstraßen in den Köpfen der
Leute fort. Wer schon mal eine Party geschmissen und eine Umlage für Getränke
organisiert hat, wird festgestellt haben, dass es immer ein paar Personen gibt,
die ganz besonders darauf achten möglichst viel für ihr Geld zu bekommen. Das
sind dann meistens die, die mit einem 5€-Grinsen nach 0 Uhr vom Balkon kotzen.
Bleiben wir bei den Getränken. Eine Kiste Billigbier kostet im Getränkemarkt
teilweise nur noch 5€. Die nächste Preisstufe bilden die Kisten der
Großbrauereien, die im Angebot weniger als 10€ kosten. Von beiden bekommt man
fürchterliche Bauch- und Kopfschmerzen, einfach weil sie minderwertig
produziert wurden. Keiner gibt die 15-17€ für eine Kiste qualitativ
hochwertigeren Bieres aus, weil man in Volumen gerechnet weniger für sein Geld
bekommt.
Mein Cousin arbeitete auf der
Bildungsmesse didacta in Köln und erzählte mir von dem verrückten Verhalten der Leute dort. Die vorwiegend akademische Besucherschar rückte
mit Rollkoffern an und steckte sich an den Ständen die Taschen mit Blöcken, Kulis,
Bonbons und Produktproben voll. Dinge die sie in keinem Fall brauchen werden.
Einfach nur, weil es umsonst ist. Ähnlich verhält es sich mit öffentlichen
Gütern, die dazu gedacht sind unsere städtische Infrastruktur zu bereichern. Stellt
beispielsweise eine Stadt oder Gemeinde irgendwo einen Mülleimer auf, muss sie
damit rechnen, dass Bürger ihren Hausmüll darin entsorgen um die privaten
Entsorgungskosten gering zu halten. Denn wenn es etwas umsonst gibt, wird es
ohne Rücksicht auf die Gemeinschaft oder ohne den eigenen Nutzen zu
hinterfragen wegkonsumiert, mitgenommen oder verbraucht.
Woher kommt diese Gier? Warum sind gerade die
Deutschen so sehr darauf fixiert ihren eigenen Vorteil (z.T. zum Nachteil anderer)zu maximieren? Wie kam es dazu, dass sich Deutschland beispielsweise in der
griechischen Schuldenkrise nicht damit abfinden konnte ein schlechtes Investment gemacht zu haben? Stattdessen haben sich Experten die Köpfe darüber zerbrochen, wie man das (selbstverschuldet) verarmte Land bis auf die letzten Drachmen abfrühstücken kann. Wieso war es so wichtig einen Weg zu finden, wie die Griechen ihre Schulden, am besten mit Zinsen, wieder
zurückzahlen können, während die ganze Nation zerstört am Boden lag?
Die Vermutung liegt nahe, diese Mentalität könnte was
mit dem 2. Weltkrieg zu tun haben. Der deutsche Mythos, der noch strahlender
und heroischer ist als die Legenden von Sigfried und Hermann, ist der einer
Nation, die aus den Trümmern des Krieges alles wieder aufgebaut hat und zu
einer der reichsten Nationen der Welt wurde. Auferstanden aus Ruinen... Moment,
falsche Platte. Was man sich so hart erarbeitet hat, gibt man ungerne wieder
ab. Lebensmittel gehören dazu. Die teilweise ausgebombte
Stadtbevölkerung, die aufs Land ausquartiert wurde, sah sich nicht selten
gezwungen die wenigen geretteten Habseligkeiten bei den Bauern gegen Essen
einzutauschen. In diesem Tausch nahmen natürlich beide Seiten so viel sie
kriegen konnten, gerade weil der Tisch nicht reich gedeckt war. Es muss schwierig gewesen sein sich mit so einer Einstellung
dann an den Überfluss der folgenden Jahrzehnte zu gewöhnen. Dass der Marshallplan und das Wohlwollen der Siegermächte Eckpfeiler des deutschen Wirtschaftswunders waren, wird im deutschen Mythos geflissentlich übersehen. Trümmerfrauen und deutsche Tugend verkaufen sich besser.
Meine Mutter ist kurz nach dem Krieg geboren.
Das Familienmotto lautete „Essen ist das Haupt“. Und Essen war bestimmt in den
ersten Jahren nach dem Krieg nicht immer im Überfluss vorhanden. Aber durch
Wirtschaftswunder und Albrecht-Brüder musste schon bald keiner mehr hungern. Aber die Mentalität hat sich dadurch nicht geändert. So
kommt es, dass noch heute der Kühlschrank meiner Mutter immer randvoll ist. Die
Vorratskammer könnte leicht eine ganze syrische Familie über den Winter
bringen. Zusätzlich zu der Tiefkühleinheit in der Küche steht im Keller zur
Sicherheit noch ein Gefrierschrank
(sic!) mit eingefrorenen Speisen. Sie wissen schon, falls mal die Nationalelf nebst Trainerstab
und Funktionären unangekündigt zum Essen vorbeikommt.
"Ma, hast du noch ne Dose Boh... alles klar."
Vielleicht ist es aber auch die völlige
Selbstverständlichkeit in Deutschland alles mit einem Preisschild zu versehen,
die viele dazu bringt sich die Taschen so richtig vollzustopfen, wenn es mal
etwas umsonst gibt. Wer in deutschen Städten oder an Raststätten mal auf die
Toilette muss, wird dafür meistens abkassiert. Das gleiche gilt an Bahnhofstoiletten (als sei das Bahnfahren noch nicht teuer genug) oder in manchen Fällen die Toiletten von Bars und Restaurants. Auch ein Glas Leitungswasser, was in anderen Ländern üblicherweise in Bars und Restaurants frei auf dem Tisch steht, bekommt man in deutschen Gastronomiebetrieben allenfalls zähneknirschend überreicht.
Die deutsche Buffet-Mentalität zeigt zumindest eins:
der Michel ist der nahezu perfekte Homo oeconomicus. Er ist ein rationaler
Nutzenmaximierer, der seine Kosten stets gering hält. Nur am
All-you-can-eat-Buffet trifft er ganz unrationale Entscheidungen, wenn er seinen Grenznutzen mal wieder überschreitet.
TF
Was ist Ihr Lieblingsessen? Italienisch? Griechisch oder doch gut bürgerlich? Ein nicht kleiner Teil der deutschen Bevölkerung würde diese...
Was ist Angst? Angst stellt einen Schutzmechanismus vor tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen dar. Während es Ängste gibt , die durchaus begründet sind, stellen sich die meisten Ängste mit ein bisschen zeitlichem Abstand als unbegründet dar. Die Deutschen haben oft Angst. Nicht umsonst hat sich der Begriff German Angst sogar im anglo-amerikanischen Sprachraum durchgesetzt. Gegenwärtig wird das deutsche Volk seinem Ruf gerecht, scheint es doch zu einem beträchtlichen Teil aus sogenannten „besorgten Bürgern“ zu bestehen. Flüchtlinge und Terror, vielleicht gar terroristische Flüchtlinge lassen den deutschen Michel nachts zitternd ins Bett steigen. Daher scheint es an der Zeit ein Angst-Retrospektive zu erstellen. Was ist aus einst populären Ängsten, die den Untergang der Zivilisation zu bedeuten schienen, geworden?
Der Ivan
Schrecklich, der Ivan
Vierzig Jahre lang verlief der Eiserne Vorhang mitten durch Deutschland. Die geteilte Stadt Berlin bildete ein Brennglas des Kalten Krieges. Während in der Bundesrepublik das sogenannte Wirtschaftswunder seinen Lauf nahm, siechte der sowjetische Satellitenstaat DDR vor sich hin. Bei den werdenden Besitzstandswahrern des Westens, die sich das von ihrem sauer verdienten Geld finanzierte Eigenheim in den Speckgürtel einer beliebigen deutschen Stadt gestellt haben, wuchs mit jedem im Vorgarten sprießenden Krokus die Angst, dass der Russe kommt.
Die deutschen Kulturgüter Bier, Bratwurst und Benz würden durch Wodka, Borschtsch und Lada ersetzt. Der Lauf der Geschichte wollte es anders. Die Sowjetunion zerfiel, Deutschland wurde wiedervereinigt und bis auf ein paar Oligarchen, die sich in Baden-Baden liften lassen, lässt die russische Invasion bis heute auf sich warten.
Das Waldsterben
"Plötzlich aus des Waldes Duster brachen kampfhaft die Cherusker"
Der deutsche Wald, seit den Dichtern der Romantik der Sehnsuchtsort der Deutschen. Beeindruckend in Szene gesetzt durch Caspar David Friedrich. Hier schlug der zwar unzivilisierte, aber immerhin „deutsche“ Hermann den verweichlichten, des Lesens und Schreibens mächtigen Varus.
Dieser Mythos überdauerte das Kaiserreich, die Weimarer Republik und auch das dritte Reich. Aber nicht die Achtziger Jahre. Ausgerechnet das Jahrzehnt von Schulterpolstern, wild wuchernden Achselhaaren und Nena brachte die vor Kraft strotzende deutsche Eiche zu Fall. Das Waldsterben setzte ein, die Apokalypse drohte.
Doch dann wurden in der Industrie flächendeckend Filteranlagen eingesetzt, der Schadstoffaustoß allgemein reduziert und neue forstwirtschaftliche Konzepte entwickelt. Und siehe da, 2003 durfte ausgerechnet die Grüne Renate Künast, deren Partei auch durch das Waldsterben überhaupt Relevanz erlangte, dieses für beendet erklären.
Angst vor Lebensmitteln
„Du bist was du isst“ sagt ausgerechnet der Volksmund. „Besser nicht“ denkt man sich, wenn man die Inhaltsangabe der meisten industriell gefertigten Lebensmittel liest. Denn wenn dem so wäre, wären wir eine Ansammlung künstlicher Bestandteile ohne jeglichen Geschmack. Jedes Jahr aufs Neue wird vor dem Verzehr bestimmter Produkte gewarnt.
Mal ist es das Acrylamid in den Pommes, wenn man die Friteuse auf die Temperatur der Hochöfen von Isengard hochtreibt. Dann ist es Gluten, das sich seit sie erfunden wurden in Brot und Nudeln versteckt, nur um im Jahr 2014 die Darmschleimhäute der Republik zu vernichten. Tatsächlich gibt es die Krankheit Zöliakie. Diese tritt in Deutschland allerdings nur bei durchschnittlich jedem 500. Menschen auf. Das überquillende Angebot von glutenfreien Lebensmitteln, die in Supermärkten rein zufällig immer neben den Bio-Produkten angepriesen werden, wird dadurch nicht gerechtfertigt.
Im letzten Jahr war es soweit: des Deutschen zweitliebstes Kind nach dem Bier, die Wurst, geriet in Verruf. Krebserregend sollte sie sein, behauptete die WHO. Ruderte kurz darauf aber zurück, indem sie mitteilte, dass sie lediglich zum Verzehr einer geringeren Menge Fleisch, als sie durchschnittlich in Industrienationen zu sich genommen wird, rät.
Vor wenigen Wochen erwischte es schließlich auch das bereits angesprochene Bier, Eckdatum deutscher Brauchtumspflege. Das Pestizid Glyphosat wurde in Deutschlands beliebtesten Bieren gefunden. Ausgerechnet im 500. Jahr des Bestehens des Reinheitsgebots. Dass man täglich 1000 Liter Bier trinken müsste, um gesundheitliche Schäden zu erleiden, hinderte die Medienlandschaft nicht daran auf den Panikzug aufzuspringen. Der wahre Skandal, nämlich die Umgehung des Reinheitsgebots durch die Verwendung von Hopfenpallets und das nachträgliche Ausfiltern von Gärhilfen, sowie die geschmackliche Degenration der meistverkauften Biersorten, war hingegen kein Thema.
Diese Lebensmittelängste stehen beispielhaft für das mittlerweile gestörte Verhältnis der Deutschen zu ihren Lebensmitteln. Alles ist potenziell gefährlich. Doch schon der alte Paracelsus wusste: die Dosis macht das Gift.
Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim
Die Liste der Ängste ließe sich nahezu endlos fortführen. Von der Hysterie um die Feinstaubbelastung über die Panik vor Elektrosmog ausstrahlenden Smartphones, die unsere Gehirne weichmachen, zur Schweine-, Vogel- oder Salamandergrippe. All diese Ängste, so sehr sie für einen Sommer die öffentliche Meinung prägten, wurden entweder durch kluge Gegenmaßnahmen erfolgreich bekämpft, waren wissenschaftlich nicht zu beweisen oder wurden überporportional aufgebauscht.
Selbst die Angst vor islamistisch motivierten Terroranschlägen in Deutschland scheint sich bisher zumindest in ihrem Ausmaß nicht zu rechtfertigen, steht die Opferzahl meines Wissens immer noch bei null. Natürlich zeigen die Terroranschläge in Paris oder Madrid, dass es ein gewisses Risiko gibt, aber solange die Zahlen der vereitelten Anschläge durch den BND und das BKA nicht veröffentlich sind, sei es aus ermittlungstaktischen Gründen oder weil „ein Teil der Antworten verunsichern würde“ (Thomas de Maizière), weigere ich mich meine Lebensführung in beschneidender Art und Weise zu verändern. Wir reden hier immerhin über Behörden, die im Rahmen der sogenannten „Ausspähaffäre“ eine erbärmliche Figur abgegeben haben.
Der ängstliche Deutsche jedenfalls will maximale Sicherheit. Dafür ist er sogar bereit seine Freiheit aufzugeben. Es spricht für sich selbst, wenn sich sogar ein ehemaliger Bundesinnenminister, der zumindest auf dem Papier promovierter Jurist ist, vor laufenden Kameras zu der Aussage hinreißen lässt, dass „Sicherheit ein Supergrundrecht“ (Hans-Peter Friedrich) sei. Die Illusion von absoluter Sicherheit muss als solche benannt werden. Es erscheint zweifelhaft, dass die staatlichen Überwachungsmaßnahmen, die teils gefordert, teils umgesetzt werden, den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren. Das ist die juristische Formulierung für „Habt ihr sie noch alle?“.
Den linken Intellektuellen wird immer vorgeworfen, dass sie das aus ihrer Sicht dumme Volk bevormunden wollen. Wenn nach den jüngsten Landtagswahlen Wähler in Interviews auf die Frage warum sie die AfD gewählt hätten, antworten, dass es die etablierten Parteien nicht geschafft hätten ihnen die Ängste zu nehmen, stellt sich doch die Frage, ob die Deutschen nicht genau das verdient haben. Allerdings ist dies nur das Herausstehlen vor der Verantwortung. Nimm dir die Ängste selbst! Informiere! Geh in ein Flüchtlingsheim und führe ein Gespräch mit einem Syrer!
Wer also glaubt, dass der „besorgte Bürger“ eine Reaktion auf die zu uns kommenden Flüchtlinge ist, liegt weit daneben. Das Land der Hasenfüße war Deutschland schon immer. Meist jedoch zu Unrecht, wie sich im Nachhinein herausstellte. Daher meine Bitte: bleibe gelassen und habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
LW
Was ist Angst? Angst stellt einen Schutzmechanismus vor tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen dar. Während es Äng...